150 Jahre Feuerwehr Dingolfing – Teil V


Oldtimer brezeln sich für den Festzug auf

Sie werden gepäppelt und gehätschelt – die ältesten Fahrzeugkollegen bei der Dingolfinger Feuerwehr, die auch beim Festzug zum 150. Gründungsfest mitfahren. Seit vier Generationen kümmert sich die Familie Rammelsberger um zwei Feuerwehroldtimer.

Prachtstücke! Vorne das „Löschfahrzeug Bayern“ mit Maximilian Rammelsberger am Steuer, dahinter das LF 1000, das sein Vater Franz Rammelsberger junior fährt. Die Fahrzeuge sind noch voll einsatzfähig.

Baujahr 1922, fast 100 Jahre alt, doch das alte „LF 1000“ und das „Löschfahrzeug Bayern“ sind noch voll einsatzfähig. Tatsächlich zum Feuerlöschen und erst recht, beim großen Festzug zum 150. Gründungsfest der Dingolfinger Feuerwehr, der am Festsonntag am Nachmittag durch Dingolfing zieht.

Dass die beiden Auto-Senioren noch so fit sind verdanken sie der Familie Rammelsberger. Schon seit vier Generationen kümmert sie sich um die schönen alten Feuerwehrautos. Jetzt sind es Franz junior und sein Sohn Maximilian, also der Max. Franz ist Kratfahrzeugmechanikermeister und sein Sohn tritt beruflich auch in die Fußstapfen vom Vater.

Angefangen hat es mit dem Großvater vom Franz, väterlicherseits. Als auf dem Gut Tunzenberg die Brauerei abgebrannt ist, wurde dort eine Gutsfeuerwehr eingerichtet und ein hellrotes Feuerwehrauto angeschafft. Guts-Feuerwehr Tunzenberg steht heute noch in goldener Schrift auf der Tür. Der Großvater vom Franz hat das Auto damals oft repariert. 1972 hat es dann sein Vater, Franz senior gekauft.

Vater und Sohn Rammelsberger. Maximilian tritt in die Fußstapfen von seinem Vater Franz. Im Festzug zum 150. Geburtstag der Dingolfinger Feuerwehr sind die beiden dabei.

Und weil die Familie ein Herz für alte Autos hat, kümmern sich Franz und sein Sohn Max auch um das „LF1000“, das der Feuerwehr Dingolfing gehört. Sein Großvater mütterlicherseits, Wolfgang Wintersperger, ist mit genau diesem Fahrzeug ausgerückt, mit 40 PS, 50 km/h und einer Löschleistung von 1.150 Litern pro Minute.

Beide Autos werden gerade für den Festzug hergerichtet: Kleine Reparaturen erledigt und stundenlang das Messing an den Autos geputzt. Außerdem bekommt Max Oldtimer-Fahrstunden von seinem Vater. „Oldtimer fahren ist ganz anders“ sagt Franz, „man muss wesentlich mehr vorausschauen, als bei den heutigen Autos“. Bremse vorhanden, aber natürlich ohne Servoausrüstung. Das müssen die beiden immer wieder üben, damit sie ein Gefühl für die Bremse, Schaltung Lenkung bekommen. „Kuppeln ist schwierig“ meint Max, „aber das kann man lernen, früher sind die ja auch damit gefahren“.

Mit dem Löschfahrzeug 1000 ist er früher ausgerückt: Wolfgang Wintersperger (Zweiter von links), der Großvater von Franz Rammelsberger junior mütterlicherseits.

Mit dem kleinen Unterschied, dass die Feuerwehrmänner von früher wesentlich kleiner und zierlicher gewesen sind und deshalb der Fußraum für die beiden großen Männer eine echte Herausforderung ist. Natürlich fahren Vater und Sohn auch zu Oldtimertreffen und tauschen sich aus. Wie man was repariert, wie man an Ersatzteile kommt. Das mag Max besonders gern: „Mit anderen über die Oldtimer diskutieren und dann hat einer ein ähnliches Autos und erzählt davon. Und selbst wenn ich net mitreden kann, dann hör ich gern zu“ erzählt Max.

Top gepflegt mit vielen hübschen und originalen Details: Der Oldtimer vom Gut Tunzenberg.

Sehr romantisch und nett: Die große Feuerwehrglocke am Fahrzeug. Hat was Nostalgisches – „ist aber beim Fahren brutal laut“ sagt Franz. Die beiden Fahrzeuge sind topfit, auch Risse im Motorblock hat Franz schon selbst repariert. Vor gut 20 Jahren haben die alten Herren der Feuerwehr, die Senioren, sogar noch ein Leistungsabzeichen mit den Oldtimern geholt.

Auch er ist schon mitgefahren. In einer Werkzeugschublade im Fahrzeug liegt das Foto mit dem Landesvater, das war der Stolz von Franz Rammelsberger senior.

Die alten Feuerwehrautos könnten jede Menge erzählen. Eine Geschichte bewahrt das Tunzenberger Feuerrwehrauto in einer Werkzeugschublade in seinem Inneren auf: Ein Foto, das zeigt Franz Rammelsberger senior mit Franz Josef Strauß an seiner Seite. Ja, auch der ist schon in dem Feuerwehrauto gesessen.

Der große Festzug der Feuerwehr zum 150. Gründungsfest startet am Festsonntag – das ist der 17. Juni – um 14 Uhr an der Zirkuswiese und zieht dann durch ganz Dingolfing. Mit Schirmherr und Festmutter, der Feuerwehr, den Taferlbuam, den Fahnenträgern der Feuerwehr. Die Vereine aus Dingolfing sind dabei, selbstverständlich die Patenwehr aus Landau und viele befreundete Feuerwehren. Und hinterher geht es ins Festzelt zum Feiern.

Weil die Feuerwehr sich immer um das Gemeinwohl kümmert, gibt es auch viel Spaß und Musik für alle Dingolfinger an den Tagen vorher. Am Donnerstag, 14. Juni, die Spider Murphy Gang und am Freitag „Da Huawa, da Meier und i“. Für beide Veranstaltungen gibt es noch Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen. Jetzt werden die alten Feuerwehrautos für den Festzug der Feuerwehr rausgeputzt.

Am Festsonntag ziehen Franz und sein Sohn Max die historischen Uniformen an, setzen die Helme aus glänzendem Messing auf und fahren im Festzug mit. „Achten Sie auf die Beifahrer – denn mit Sicherheit werden die alten Herren der Feuerwehr dann wieder aufzitzen und mitfahren.“

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