Ein Tag als Berufsfeuerwehr


Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr in Dingolfing
am 25.06.2011

Feuerwehrmänner und- Frauen zählen zu den Menschen, denen das größte Vertrauen und Ansehen entgegen gebracht wird. Doch um ein richtiger Feuerwehrmann zu werden muss viel gelernt und hart trainiert werden. Die Feuerwehr Dingolfing hat am vergangenen Wochenende für ihre Jugendfeuerwehr einen Übungstag abgehalten und keine Mühen gescheut, echte Szenarien zur Übung auszubauen. 24 Stunden leben und arbeiten wie ein echter Profi am „Berufsfeuerwehrtag“.

Samstagmorgen 7 Uhr. Antreten in der Fahrzeughalle der Feuerwehr Dingolfing. 13 junge Burschen zwischen 14 und 18 Jahren freuen sich auf den Ausbildungstag. Zwei junge Männer sind unpünktlich.
„Zu spät kommen geht nicht“ meint Jugendwart Michael Wagner, „Disziplin und Verlässlichkeit sind nämlich wichtig bei der Feuerwehr!“  Deshalb dürfen die beiden Stiefel putzen gehen, eine kleine Strafe muss sein. Der Tag beginnt mit Unterricht bei Alexander Schmidlkofer. Über 600 Brandtote gibt es jährlich, die meisten sterben durch die giftigen Rauchgase. Deshalb steht als erstes Gebäudeentrauchung für die Feuerwehrschüler auf dem Stundenplan. Mitten im Unterricht – Alarm!

Blitzschnell springen die Schüler auf, rennen zu ihrem Spind, ziehen sich um und sind minutenschnell am Einsatzfahrzeug. Eine Ölspur muss beseitigt werden. Natürlich sind alle Einsätze an diesem Wochenende nur simuliert, sie sind aber fast so echt wie im richtigen Leben. Die Kollegen von der Feuerwehr haben auf dem Capirmaparkplatz ein Schrottauto präpariert, eine Spur von Salatöl zieht sich am Fahrbahnrand entlang. Die Lektionen aus der Theorie werden jetzt in die Praxis umgesetzt:

Verkehrssicherung, Ölspur beseitigen, aufräumen. Kaum zurück im Feuerwehrhaus, der nächste Alarm. Es brennt! Auf dem Gelände der alten Kläranlage steht ein Container lichterloh in Flammen.

Schlauchauslegen und dann Wasser Marsch. Was die jungen Feuerwehrler in der Theorie gelernt haben setzten sie auch gut in der Praxis um. Aber vor dem Feuer haben sie schon Respekt, wie es zischt und qualmt beim Löschen. „Und ist auch gut so“ meint Kommandant Gregor Piechoczek, „mit einfach draus los stürmen, kann  man sonst sich und die Kameraden in Gefahr bringen!“
Fünf bar an Druck müssen die jungen Männer am Ende des Schlauches bändigen. Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat zwei bar. Wehe wenn dann nicht aufgepasst wird und der Schlauch auskommt. „Da kann man sich ganz schön weh tun!“ meint Max. Er ist 15 Jahre  alt und seit drei Jahren bei der Jugendfeuerwehr dabei. „Außerdem wird ma patschnass!“ fügt er noch an.

Nach dem Mittagessen ist wieder Unterricht. „Brennen und Löschen“ steht auf dem Stundenplan. Ein Alarm schreckt die Schüler hoch – aber diesmal ist der Alarm echt. Ein PKW brennt in der Griesgasse, die freiwillige Feuerwehr Dingolfing muss ausrücken. Kommandant Gregor Piechoczek und Jugendwart Michael Wagner entscheiden: Die Jugend darf mit, aber nur zum Zuschauen und zur Verkehrsabsicherung. Nach dem erfolgreichen Einsatz sind sich die Burschen einig. Das war das Highlight des Tages. Anton ist 15 Jahre alt und seit drei Jahren bei der Jugendfeuerwehr. Nach dem echten Einsatz am brennenden Container und als Beobachter bemerkt er: „Ein Feuerwehrmann darf schon ein bisschen Angst haben, damit er nicht leichtsinnig wird.“ Ein angefüllter Tag für die Feuerwehrjugend: Alarm im Rathaus, ein Fehlalarm, eine Keller ist auszupumpen, eine Katze wird mit der Steckleiter vom Baum geholt. Alles echte Übungen aus dem Alltag der Feuerwehr.  Am Abend sind die Jugendfeuerwehrler rechtschaffen müde. Wie schön wäre es jetzt ein wenig fern zu sehen oder am Computer zu sitzen. Aber um 20 Uhr 26 der nächste Übungsalarm. Personenrettung nach Verkehrsunfall. Die Kollegen von der Feuerwehr haben das Alte Schrottauto zum Wendehammer am Wertstoffhof gefahren, eine 80 Kilo schwere Puppe liegt darin – eingeklemmt wie ein echter Mensch nach einem Unfall. Feuerwehrfrau Franziska Saller spielt eine aufgeregte Autofahrerin: „Hilfe, der ist eingeklemmt, so helft doch!“ schreit sie verzweifelt. Auch wenn das nur eine Übung ist: Es ist schon unheimlich, wenn auf einmal Menschen mit ihren Emotionen im Spiel sind. Gruppenführer Sepp Hofmann verteilt die Aufgaben: Anton und Peter bedienen gemeinsam  den 25 Kilo schweren Rettungsspreitzer.  Max muss wie im echten Einsatz die eingeklemmte  Person im Auto beruhigen. Das Metall des Autos knirscht unheimlich, wenn Rettungsschere und Rettungsspreitzer zum Einsatz kommen. Ein bißl mulmig wird dem Max da drinnen dann schon. Aber es ist eine gute Übung, um zu merken, wie es den Verletzten im Auto geht.

Ein aufregender Tag. Kurz nach dem Einschlafen müssen die künftigen Feuerwehrmänner noch mal zu einem Übungseinsatz und am Isardamm mit einer Wärmebildkamera eine vermisste Person suchen. Person gefunden, jetzt aber Nachruhe bis halb fünf am Morgen. Ein Fahrzeug brennt auf der Kirchweihwiese. Den Schlaf aus den Augen reiben, Aufstellung, Schlauch auslegen und Feuer löschen. Eigentlich geht alles schon wie im Schlaf.

Jugendwart Michael Wagner hat das Wochenende für seine Jugendgruppe durchorganisiert und freut sich: „Das sieht man schon, dass die gründliche Ausbildung schon was gebracht hat!“. Kommandant Gregor Piechoczek meint das auch und fügt hinzu: „Aber um ein richtig guter Feuerwehrmann zu werden, braucht es das richtig Maß an Mut und Einfühlungsvermögen, für die Menschen, die es aus den Gefahren zu retten gilt.“ Für die 13 Jungs von der Jugendfeuerwehr ein aufregendes  Wochenende, zwar mit  etwas wenig Schlaf, aber alle sind sich einig: „Das Tolle an der Feuerwehr ist der Teamgeist und die Kameradschaft.“

Text und Fotos: Brigitte Dehler/brd

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