Ehemalige Wachen


Werfen wir zuerst noch einmal einen kleinen Blick zurück. Das erste Gerätehaus, wenn man es so nennen kann, erhielt die Wehr bei ihrer Gründung von der Stadt überlassen. Es waren Räumlichkeiten im Rückgebäude des Rathauses am Speisemarkt, in denen die Feuerrequisiten aufbewahrt wurden. Die Anzahl und die Größe der dort untergebrachten Löschgeräte und die mangelnden Übungsmöglichkeiten ließen die FFW bald an eine Neuunterbringung denken. Am 4. Juni 1873 richtete deshalb der Verwaltungsrat an den Magistrat ein Gesuch, die Stadt möge ein Steigerhaus erstellen lassen. Es wurde jedoch geantwortet, dass dies derzeit auf Gemeinkosten nicht möglich sei. Sollte die FFW aus eigenen Mitteln bauen wollen, so wäre die Stadt bereit am Herrenweiher ein Grundstück sofort zur Verfügung zu stellen. Daraufhin erbaute die, FFW ein eigenes Steigerhaus, aber am Isarufer, nachdem das städtische Angebot wieder zurückgezogen wurde.

Die Platzwahl erwies sich als nicht sehr glücklich. Infolge der häufigen Hochwasser war das Gebäude einen großen Teil des Jahres unzugänglich und vom Wasser umgeben. Also brachte man in einem Schreiben an den Magistrat vor, das durch die einwirkende Feuchtigkeit einsturzgefährdete Haus an den südwestlichen Teil des Herrenweihers zu transferieren. Auf Grund eines Magistratsbeschlusses teilte dieser der Wehr mit, dass eine derartige Umsetzung an die gewünschte Stelle nicht genehmigt werden könne, da der Platz frei zubleiben habe. Der Magistrat halte überhaupt ein Steigerhaus angesichts der hiesigen Verhältnisse für überflüssig, welche Meinung von vielen Orten, an denen man die Steigerhäuser beseitigte, geteilt werde. Schon bei der seinerzeitigen Errichtung sei man prinzipiell dagegen gewesen. Zu ihren Übungen aber stünden der FFW die städtischen Gebäude zur Verfügung.

Auch das Bezirksamt schaltete sich öfters in die Diskussion ein, um eine zeitgemäße Verwahrung der Löschgeräte zu erreichen und die Schlagkraft der Wehr zu erhöhen. Am 14. Juni 1875 schrieb es an die Stadt: Es habe sich wieder gezeigt, dass ein schnelles Herausbringen der Löschmaschine aus dem Requisitengewölbe am Rathaus sehr erschwert und hierbei Beschädigungen der Maschine kaum zu vermeiden seien. Ein paar Jahre später, am 26 März 1880, wandte sich das Bezirksamt erneut in dieser Angelegenheit an die Stadt. Unter der Bevölkerung verlautete bereits mehrfach der Wunsch, es möge nicht die sich gerade bietende Gelegenheit versäumt werden, den in der Griesgasse gelegenen Loichinger-Stadel zu kaufen. Man könne dort nach Ansicht des Bezirksamts nicht nur die Löschgeräte, sondern auch eine Wohnung, wenn nicht sogar die Geschäftslokalitäten des Magistrats unterbringen. Aber auch aus diesem Projekt ist nichts geworden.

Schließlich setzte sich aber der besonders von Stadtpfarrer Reger vertretene Vorschlag durch, wonach 1892 die Knabenvolksschule in den zu diesem Zweck umgebauten ehemaligen herzoglichen Getreidekasten einzog. Jetzt wurde während des Sommers 1892 im dortigen Schulhof ein kleiner Neubau ausgeführt, dessen Räume man zur Aufnahme des Leichenwagens und der Feuerlöschgeräte bestimmte.

Aber auch dieses Gebäude war auf die Dauer nicht ausreichend. Seit dem Jahr 1900 verhandelte man deshalb ernstlich über einen größeren Neubau. Die Stadt erwarb den Kellergarten des Neuhofer Bräu seitlich des Bürgerspitals und plante dort ein Eichlokal zu errichten, das auch Löschgeräte aufnehmen sollte. Doch scheiterte dieses Projekt damals am Widerstand der Gemeindebevollmächtigten. Es sollte noch sechs Jahre dauern, bis endlich am 2. Juni 1906 die Errichtung eines Eichlokal nebst Magazin beschlossen wurde. Maurermeister Franz Baumann führte den Bau in einer Größe von 12 auf 17 Meter aus, 1908 erhielt das Haus elektrische Beleuchtung, 1927 wurde ein Schlauchtrockenturm erstellt. Da sich der Maschinenpark der FFW seit Ende des ersten Weltkrieges bedeutend vergrößert hatte, ergriff man im Jahr 1930 auf Antrag von Kommandant Markmiller die günstige Gelegenheit, in der Oberen Stadt ein Gebäude zu erwerben und es als Feuerhaus instand zusetzen. 1931 übernahm die Firma Georg Schweiberger den notwendigen Umbau. Das auf diese Weise geschaffene Feuerhaus beherbergte ein Löschauto und einen Rüstwagen.

Das ehemalige Gerätehaus in der Oberen Stadt

Seit 1950 versuchte nun die FFW in vielfachen Verhandlungen mit der Stadt den Umbau des Feuermagazins beim Bürgerspital zu erreichen. Doch brachte dies zunächst kein Ergebnis. Der Ausschuss beschloss deshalb, um seine Vorstellungen über ein den modernen Anforderungen genügendes Feuerhaus durchzusetzen, der Stadt ein Ultimatum zu stellen und drohte mit dem Rücktritt der gesamten Vorstandschaft. Daraufhin stimmte die Stadt 1955 einem Neubau zu.

Jedoch bedurfte es noch einigen längeren Verhandlungen, bis man den Standort des neuen Gerätehauses endgültig fand. Ein Plan, gefertigt von Architekt Arthur Jagusch, fand endlich die richtige Lösung. Mit ihm wurde die Genehmigung der Behörden, wie auch die Forderungen der Wehr auf ausreichende Räume erfüllt. Der damalige Bau enthielt unter anderem Garagen, Waschraum mit Duschanlagen, den Wachraum, einen großen Lehrsaal, eine Schlauchwaschanlage und einen Schlauchtrockenturm. Er konnte am 7. Juli 1957 eingeweiht werden.

Diente 30 Jahre als Gerätehaus: das Gebäude am Wollanger

Jedoch stellte sich heraus, dass auch dies keine endgültige Lösung sein konnte. Die Anforderungen an die Wehr wurden immer umfangreicher und erforderten deshalb auch mehr Gerätschaften und Mannschaft.


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